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DEUTSCHE GRAMMATIK IN KONTAKT

IN SCHULE UND UNTERRICHT

Was Aische längst weiß und Peter nie lernt ...

Ein internationales Symposium an der Universität Graz 

vom 20. bis 22. Juni 2013

 

Unter dem Titel Deutsche Grammatik in Kontakt in Schule und Unterricht findet zum 4. Mal ein internationales Symposium statt, das sich - wie gewohnt - explizit dem Kulminationspunkt Grammatikunterricht an der Schnittstelle von Fachwissenschaft und Fachdidaktik, von Universität und Schule widmet. Veranstaltet wird das Symposium am Institut für Germanistik der Universität Graz in Kooperation mit der Abteilung für Sprachdidaktik des Germanistischen Instituts der Universität Münster. Als Rahmenthema ist diesmal ein Thema gewählt, das zwar fachdidaktisch und bildungspolitisch hochfrequent bemüht wird, wo wir aber im Hinblick auf grammatische Fragen im Zusammenhang mit dem Erlernen der Zielsprache Deutsch noch erheblichen Nachholbedarf orten - Deutsch als Zweitsprache. Wie so oft scheinen Kenntnisse der grammatischen Systeme der in Kontakt befindlichen Sprachen - so auch des Deutschen - weniger von Interesse als etwa interkulturelle und pädagogische Bemühungen rund um Fragen des Eigenen und des Fremden, also insgesamt der bilingualen Identitäten. Ohne diese Aspekte zu vernachlässigen will das Symposium allerdings einen klaren Fokus auf grammatische und/oder grammatikographische Fragestelllungen legen.

 

Die Thematik Deutsch als Zweitsprache (DaZ) ist zum alltäglichen Gegenstand in allen Schulformen und -stufen geworden. Die hohe Anzahl mehrsprachig aufwachsender Kinder und Jugendlichen im deutschsprachigen Raum und die sprachlichen Besonderheiten, die diese heterogene Gruppe mit sich bringt, stellen sowohl Schulen als auch Universitäten vor Herausforderungen, die lange unbeachtet blieben. In den letzten Jahren rückt diese Thematik allerdings immer stärker in den Fokus. Neben zahlreichen Sprachförderprojekten in den Schulen, deren Ziel es ist, eine konkrete Hilfestellung in der sprachlichen Entwicklung der jeweiligen Schüler zu leisten, nimmt Deutsch als Zweitsprache auch in der Lehrerausbildung an den Universitäten eine immer wichtigere Rolle ein. Trotz dieser Bemühungen hat nach wie vor ein großer Anteil von DaZ-Lernern schlechtere Bildungschancen als monolingual deutschsprachige Kinder. Dominierend in der öffentlichen Diskussion dieser Problematik ist häufig der sozioökonomische Status der Gruppe, eher selten werden sprachliche Voraussetzungen und Erwerbsverläufe als Erklärung für die Bildungsbenachteiligung angeführt.

 

Im Gegensatz zur internationalen Zweitspracherwerbsforschung, in der grammatische Spezifika des ungesteuerten Zweitspracherwerbsverlaufs bei Kindern und Jugendlichen einen etablierten linguistischen Forschungsgegenstand darstellen, findet man im deutschsprachigen Raum diesbezüglich nur vergleichsweise wenige Studien und empirisch fundierte Belege. Die hiesige DaZ-Forschung fokussiert mit Blick auf die Schule vor allem die Diagnostik präliteraler Entwicklungen und formuliert ausgehend davon Fördermöglichkeiten, die auf die schulsprachlichen Anforderungen vorbereiten und diese begleiten sollen. Häufig erfolgt dabei eine Orientierung am Fertigkeitsmodell von Huneke/Steinig, das aus dem Deutsch als Fremdsprache-Kontext übertragen wurde. Neben dem Ausbau mündlicher Fertigkeiten steht vor allem die Förderung schriftsprachlicher Kompetenzen - insbesondere das Rezipieren und Produzieren von Texten - sowie der Wortschatzaufbau im Fokus; hinzu kommt als Schwerpunkt die Förderung fachsprachlicher Kenntnisse. Neben pädagogischen und methodischen Überlegungen treten weiterhin der Aspekt des interkulturellen Lernens sowie die Sensibilisierung für Mehrsprachigkeit als solches besonders im DaZ-Kontext in den Vordergrund. Inwiefern es sich dabei um DaZ-spezifische Förderbereiche handelt oder ob diese auch bei monolingualen Sprechern zu finden sind, bleibt offen. Um eine tatsächliche sprachliche Abgrenzung zwischen diesen beiden Gruppen treffen zu, müssen aus unserer Sicht grammatische Strukturen und Formen stärker in Betracht gezogen werden - dieser Aspekt bleibt im schulischen Alltag oft unbeachtet. Gleiches gilt weitgehend für die momentane Forschungslage im DaZ-Kontext. Viel zu selten wird deutlich, worin genau die DaZ-Spezifik besteht und wie sich die multilingualen Voraussetzungen der Schüler auf den Verlauf des Zweitspracherwerbs auswirken. Zwar wird immer wieder darauf verwiesen, dass etwa die Nominalflexion - insbesondere die Verwendung von Genus- und Kasusmarkern -, die Adjektivflexion in komplexen Nominalphrasen, die Verwendung von Präpositionen sowie syntaktische Strukturen mit trennbaren Verben häufiger und im Vergleich zu monolingualen Lernern länger nicht zielsprachengerecht realisiert werden. Die sichere Beherrschung grammatischer Strukturen kann jedoch als Grundlage für jegliche weitere sprachliche Entwicklung betrachtet und muss deshalb als eine zu fördernde selbstständige Fertigkeit behandelt werden. Erst durch die daraus resultierenden Erkenntnisse können DaZ-spezifische Konzepte entwickelt werden. Die reine Benennung von für DaZ-Lerner typischen Stolpersteinen wird der Problematik nicht gerecht.

 

Trotz einiger Studien bleiben Fragen zu spezifischen Erwerbsverläufen grammatischer Strukturen und zu Besonderheiten und Unterschieden des Zweitspracherwerbs im Deutschen im Vergleich zum Erstspracherwerb ungeklärt. Nicht hinreichend geklärt ist dabei z.B., ob und wie bestimmte Faktoren - wie das Alter, die Erwerbsdauer oder die Ausgangssprache - den Erwerb dieser Phänomene beeinflussen oder begünstigen können. Die Untersuchungen zeigen, dass weitere empirische Arbeiten notwendig sind, um die sprachliche Heterogenität der DaZ-Lerner differenzieren und systematisieren zu können. Aufgrund der nur wenigen empirischen Erkenntnisse bleibt das Angebot DaZ-spezifischer Fördermaterialien überschaubar, was dazu führt, dass die Thematisierung grammatischer Strukturen in Grund- und weiterführenden Schulen tendenziell an monolingual deutschen Lernern orientiert bleibt. Notwendig sind deshalb weitere sprachwissenschaftliche Erkenntnisse, die detaillierte Einsichten in grammatische Prozesse des Zweitspracherwerbs liefern. Diese sind vor allem vor dem Hintergrund der Bildungssituation und der damit einhergehenden Integration des Sachverhalts in die Lehrerausbildung erforderlich.

 

Vor diesem Hintergrund werden im Rahmen des Symposiums unterschiedliche Perspektiven auf den Phänomenbereich Deutsche Grammatik in Kontakt in Schule und Unterricht diskutiert und in Bezug auf ihre potentielle Relevanz für einen Grammatikunterricht in multilingualen Zusammenhängen überprüft. Ziel des Symposiums ist es, aktuelle Ansätze, Forschungsergebnisse und Konzeptionen zusammenzuführen, sie im Hinblick auf ihre mögliche Anwendung im schulischen oder universitären Grammatik-Alltag kritisch zu hinterfragen und damit neue Impulse für eine sowohl empirisch als auch theoretisch fundierte Reflexion von grammatischen Diskursen im Bereich Deutsch als Zweitsprache zu bieten.

 

Wie sämtliche Symposien unserer Kooperation soll auch dieses dazu beitragen, die Relevanz der aktuellen Grammatikforschung für die Anforderungen eines zeitgemäßen Grammatikunterrichts zu konturieren und traditionelle Auffassungen zur Grammatikarbeit in Schule und Unterricht mit aktuellen Problemen zu konfrontieren.

 

Klaus-Michael Köpcke
(Universität Münster)
Arne Ziegler
(Universität Graz)

 

 

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Univ.-Prof. Dr.phil. Arne Ziegler
+43 (0)316 380 - 8165
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